Beiträge (A)

Arnold, Melanie (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

Aus der Not eine Tugend machen? Mit Blended Learning zum telc B1-Zertifikat

AG 1

Nicht jede deutsche Universität verfügt über ausreichende finanzielle Mittel und entsprechend qualifiziertes Personal, Studierenden ein vielfältiges und erschwingliches Angebot an studienbegleitenden Spracherwerbskursen anzubieten oder alternativ ein Selbstlernzentrum zu unterhalten. Im Zuge der flächendeckenden Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge wurden zudem vielerorts Spracherwerbskurse gestrichen, obwohl – auch in Nicht-Schulsprachen – Vorkenntnisse als Zulassungsvoraussetzung nachgewiesen werden müssen. Was nun? 32 Studierende des B.A.-Studiengangs „Übersetzen“ am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft (FASK) der Universität Mainz standen im WS 2007/08 vor genau diesem Problem. Auf Grund nicht vorhandener oder nicht ausreichender Kenntnisse in ihrer Tertiärsprache, in diesem Fall Spanisch, mussten sie das erforderliche telc B1-Niveau im Selbststudium erreichen. Dazu hatten sie zwei Semester Zeit. Vor diesem Hintergrund wurde im November 2007 die „Lerngruppe Español“ als Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um diese Studierenden auf ihrem Weg zum telc B1-Zertifikat begleitend zu beobachten. Das Lerngruppenkonzept sah keinen Sprachunterricht vor. Stattdessen sollten fakultative Treffen im Umfang von durchschnittlich 3 SWS als Austauschplattform fungieren, Motivationsförderung betreiben und Lernberatung bieten. Im Anschluss an die Lerngruppe wurde im August 2008 am Sprachenzentrum der Mannheimer Abendakademie ein offizieller telc B1-Test durchgeführt. Von den 21 Teilnehmern haben 17 erfolgreich bestanden und somit ihr Ziel erreicht.

In diesem Vortrag werden das Konzept und die Ergebnisse der „Lerngruppe Español“ präsentiert. Zentrale Fragestellungen sind dabei, welche Selbstlernerfahrungen gemacht und wie viel Zeit ins Lernen investiert wurde. Daneben wird ebenfalls thematisiert, welche Hilfsmittel sich größerer Akzeptanz erfreuten, wie die Interaktion in den einzelnen Sitzungen aussah und welche Rolle die Initiatorin innerhalb der Lerngruppe spielte. Grundlage dieser empirisch-qualitativen Studie sind u.a. Lerntagebucheinträge, Lernzeitdokumentationen, Fragebögen, Interviews und teilnehmende Beobachtungen.

Asano, Yuki (Ruhr-Universität Bochum)

Aktionsforschung: Förderung des Autonomen Lernens in der Fremdsprachenausbildung an Hochschulen (Japanisch A1, A2 an der Ruhr-Universität Bochum)

AG 4

In Zeiten, in denen „autonomes“ Lernen im institutionellen Fremdsprachenunterricht groß geschrieben wird, wächst der Bedarf an konkreten Einsatzmöglichkeiten dieses Konzeptes. Für einen institutionellen Sprachunterricht wird normalerweise ein Curriculum bestimmt, dessen Lern- und Lehrkomponenten von den Lehrenden im Unterricht vermittelt werden sollen. Nun stellt sich die Frage, inwiefern es möglich ist, einerseits den Lernprozess autonom und individuell zu gestalten, andererseits im Rahmen eines Sprachkurses zu gewährleisten, dass die Kursteilnehmer ihre Sprachkompetenz bis zu einem bestimmten Niveau aufbauen. Ausgehend von diesen scheinbar widersprüchlichen Herausforderungen wurde versucht, ein Konzept zur Förderung des Autonomen Lernens in meinem Japanischkurs an der Ruhr-Universität zu entwickeln.

In der Präsentation wird Einsatzmöglichkeiten und Effektivität folgender Lerninstrumente nachgegangen:

  • Selbstreflexion (sog. „Reflexion“)
  • Lernportfolio
  • Lernplattform bzw. Blackboard (Ergänzungsfunktion z.B. Grammatikübungen)
  • Sprachlernberatung (optionales Angebot)

Die entsprechenden empirischen Daten wurden in meinem Japanischkurs in Form von Interviews und Fragebögen erhoben.

Der Unterricht vollzog sich grundsätzlich in funktioneller Einsprachigkeit und die Grammatik wurde prinzipiell durch „Focus on Form“ induktiv und implizit vermittelt. Außerdem wurde auf das Lernen in verschiedenen Sozialformen, wie z.B. Partner- und Gruppenarbeit oder „Stationenlernen“ großen Wert gelegt, die zu individuellen Lernprozessen führte und die Interaktion und Zusammenarbeit zwischen den Lernenden förderte.

Inwiefern ist das Konzept des Autonomen Lernens von den Unterrichtsmethoden abhängig? Und sind überhaupt implizite und induktive Grammatikvermittlung sowie an „Focus on Form“ orientierte Unterrichtsmethoden notwendig, das Autonome Lernen zu fördern? Diese Fragen möchte ich gerne zur Diskussion stellen.