Beiträge (B)

Bandini, Amelia (Università degli Studi di Napoli Federico II)

Autonomie als Lerngewohnheit fördern: Eine praktische Erfahrung

AG 3

Autonomie als Lerngewohnheit ist heutzutage eine Schlüsselqualifikation, besonders beim Sprachlernen, das in unserer globalisierten Gesellschaft als lebenslanges Lernen zu verstehen ist (Wolff 2007).

Der Begriff der Lernerautonomie wurde im Jahr 1981 von Henri Holec als die Fähigkeit verstanden, das eigene Lernen selbstverantwortlich in die Hand nehmen zu können, und 1997 von David Little als das Vermögen, den eigenen Lernprozess zu gestalten, zu überwachen und auszuwerten. Das heißt, dass der Lerner die Verantwortung für das eigene Lernen übernehmen muss (Wolff 2003). Lernautonomie ist eng mit der kognitiven Psychologie und dem daraus entstehenden Konstruktivismus verbunden, die den Prozess des Verstehens als eine aktive und selbsttätige ‚Erfindung’ von Sinn und Bedeutung betrachten. Im Mittelpunkt des Lernprozesses steht der Lernende und der Lehrende soll sich als ‚Coach‘ verstehen, als jemand, der das Lernen ermöglicht und der die Aufgabe hat, Lernziele festzulegen, die den Studierenden und den Rahmenbedingungen des Kurses angemessen sind.

Dieser Beitrag hat die Absicht, die Erfahrungen in einem DaF-Kurs an der Fakultät für Politikwissenschaften in Neapel vorzustellen. Der Kurs stützt sich auf die oben angeführten theoretischen Voraussetzungen. Die Erfahrung zeigt, dass trotz geringer Stundenzahlen und fehlender Vorkenntnisse im Bereich der deutschen Sprache ein beachtlicher Kompetenzzuwachs festzustellen ist, wenn man die Fähigkeiten des Wahrnehmens, Lernens, Denkens und Urteilens im Sinne der Lernautonomie fördert.

Grundsätzlicher Ausgangspunkt ist die Annahme, dass der Lernprozess durch einen bewussten Umgang mit der zu lernenden Sprache und den sprachlichen Phänomenen sowie durch die Berücksichtigung der Interessen der Lernenden unterstützt werden sollte, um die Motivation zum Sprachlernen anzuregen. Fachterminologie, -wortschatz und -texte werden deshalb bereits im Anfängerunterricht eingeführt, um die Studierenden in die Lage zu bringen, einfache Sachtexte zu verstehen und auch selbst zu produzieren. Dazu werden den Lernenden auch Interaktionsmöglichkeiten mit deutschsprachigen Studenten mit Hilfe der neuen Technologien angeboten, um eine authentische und komplexe Lernumgebung im Sinne der realen Wirklichkeit zu schaffen (Wolff 2007).

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Bavendiek, Ulrike (University of Liverpool)

Autonomie als zirkulärer Prozess der Lernerfahrung

AG 4

Aufgrund seiner Popularität und Allgegenwärtigkeit in der Sprachlehr- und -lernforschung hat der Autonomiebegriff in den letzten Jahren mehr und mehr an konkreter Bedeutung verloren. Abgeleitet aus der vorhandenen Literatur wird in diesem Vortrag daher ein Modell vorgestellt, in dem die Förderung von Autonomie im Fremdsprachenunterricht als zirkulärer Prozess verstanden wird. Die Unterstützung selbstgesteuerten Lernens besteht in diesem Ansatz in der Bewusstmachung und Hinterfragung des Lernerlebnisses, was über die effektivere Anwendung von Lernstrategien und damit einer besseren Kontrolle des Lernens zu höherer Motivation und stärkerer Autonomie bei der Bewältigung und Verarbeitung neuer Lernerlebnisse führt.

Ausgewählte Ergebnisse einer qualitativen und quantitativen Studie mit 55 Germanistikstudenten einer englischen Universität, die in ein auf diesem Modell aufbauenden Portfolioprojekt involviert waren, werden vorgestellt, um die Gültigkeit des theoretischen Ansatzes zu überprüfen.

Beermann, Christian (Universität Hamburg)

Das Erleben von Emotionen im schulischen Fremdsprachenunterricht –
Zum Zusammenhang von Emotionen und Motivation

AG 1

Emotionen im schulischen Fremdsprachenunterricht sind in der Fremdsprachendidaktik bislang nur wenig untersucht worden, obwohl die Forderung nach der Erforschung schon früh erhoben worden ist. Ein Einfluss von Emotionen auf das Lernen und Leisten wurde in unterschiedlichen Studien belegt. In Mehrkomponentendefinitionen von Emotion ist die Motivation eine Komponente. Emotionen stellen einen wichtigen Faktor bei der Internalisierung externer Lernaufgaben dar. In der Selbstbestimmungstheorie der Motivation von Deci & Ryan wird von einem Zusammenhang zwischen persönlicher Bedeutsamkeit und Motivation ausgegangen. Findet das Lernen dabei selbstbezogen statt, erhält das Wissen eine größere emotionale Bedeutsamkeit und führt somit zu größerer Motivation. Positive Emotionen werden als Basis für intrinsische Motivation beschrieben. Im sozial-kognitiven Modell zur Entwicklung von Lern- und Leistungsemotionen von Reinhard Pekrun ist ein wichtiger Bereich emotionsauslösender Instruktionsmerkmale die Autonomiegewährung.

Ziel des Dissertationsvorhabens, von dem ich in diesem Vortrag berichten werde, ist, zu untersuchen, welche Rolle das emotionale Erleben im Fach Französisch gegen Ende der Sekundarstufe I spielt. Außerdem soll der Frage nachgegangen werden, ob ein Zusammenhang von Emotionen mit der Motivation und dem Interesse für das Fach besteht und wie sich dieser beschreiben lässt.

Methodisch ist eine Verbindung von quantitativer und qualitativer Erhebung geplant. Zunächst soll eine Fragebogenstudie erfolgen, an die im Anschluss qualitative Leitfadeninterviews, so genannte problemzentrierte Interviews, geführt werden.

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Behrent, Sigrid (Universität Paderborn)

Tandembörse, Tandemkurs, Tandemtagebuch, Tandemkoffer –
Weiterentwicklung bewährter Konzepte

AG 1

Am Zentrum für Sprachlehre (ZfS) der Universität Paderborn wird seit drei Semestern ein Tandemkurs angeboten, der auf einem beim ersten Bremer Symposium (März 2007) von Katia Carraro (Wien) vorgestellten Konzept beruht. Die Tandemlerner, die sich über die Tandembörse auf der Webseite des ZfS finden können, nehmen an drei gemeinsamen Treffen aller Paare teil. Dort erhalten sie hilfreiche Ratschläge, können ihr Lernverhalten vergleichen und erfahren darüber hinaus mancherlei über die Sprachen, Länder und Kulturen der anderen Teilnehmer. Außerdem dokumentieren sie mindestens 10 ihrer wöchentlichen Treffen, neu gelernte Wörter und kulturelle Informationen in einem Tandemtagebuch, das auch Anregungen für Tandemaktivitäten und Lernstrategien enthält. Eine „Idee der Woche“ wird den Kursteilnehmern per Email zugesandt; im Sommersemester soll darüber hinaus ein Tandemkoffer bereitgestellt werden, der u. a. Sprachlernspiele enthält und von den Tandemlernern ausgeliehen werden kann.

Durch diese Form des begleiteten Tandemlernens erhalten die Studierenden die für erfolgreiches Tandemlernen notwendige Unterstützung (vgl. z. B. Lewis/Walker 2003). Das Tandemtagebuch wurde auf Grundlage verschiedener Modelle (z. B. Walker 2001) gestaltet und entsprechend der Rückmeldungen der ersten Nutzer weiterentwickelt. Studierende, die ein Tandemtagebuch führen, an allen drei Treffen teilnehmen und einen Abschlussbericht anfertigen, können ECTS-Punkte erwerben und sich so ihre (autonomen) Leistungen z. B. im Rahmen des Studium Generale anrechnen lassen.

In diesem Beitrag sollen das Paderborner Tandemtagebuch, die Tandembörse und der Tandemkoffer sowie die Erfahrungen mit dem Tandemkurskonzept vorgestellt und diskutiert werden. Dabei soll deutlich werden, dass auch bei geringer Personalausstattung eines Sprachenzentrums ein recht solides Tandemangebot möglich ist.

Literatur

  • Lewis, T. / Walker, L. (Hgs.) (2003), Autonomous Language Learning in Tandem. Sheffield: Academy Electronic Publications Limited.
  • Walker, L. (2001), „Die Rolle des Tandem Lernertagebuchs bei der Unterstützung und Entwicklung von Lernerautonomie”. In: Brammerts, H. / Kleppin, K. (Hgs.), Selbstgesteuertes Sprachenlernen im Tandem. Tübingen: Stauffenburg Verlag.

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